Die Debatte um Euro-Bonds

20.6.2012    Die kontroverse Debatte um die Einführung von EU-Anleihen ist vor dem Hintergrund der Finanzkrise seit 2008 neu entbrannt.

Bisher begibt jedes Land seine eigenen Staatsanleihen, wenn es Geld benötigt. Dabei nimmt der Staat (Schuldner) beim Käufer der Anleihen (Gläubiger) einen Kredit auf. Die Bundesrepublik Deutschland mit ihrer guten Bonität ist gegenüber anderen Schuldnern im Vorteil, denn sie kann billige Kredite aufnehmen. Das bedeutet im Umkehrschluß, dass der Zinssatz, den die Käufer während der Laufzeit der Anleihe erhalten, gering ist.

Anders als bei den sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien): Weil ihre Bonität leidet, müssen sie hohe Zinsen aufwenden, um Geldgeber zu finden. Aktuell zahlt Griechenland um 26 %, Spanien rd. 7 %, Deutschland hingegen lediglich rd. 1,4 %.

Zinszahlungen sind in den meisten Staatshaushalten der zweitgrößte Ausgabeposten. Damit sich die Länder am Finanzmarkt benötigte Gelder preiswerter beschaffen können, wird von den Befürwortern der Euro-Bonds eine gemeinsame Schuldenaufnahme vorgeschlagen. Damit würde der Zinssatz für ein Land guter Bonität wie Deutschland der Zinssatz deutlich höher ausfallen, so dass mehr Zinsen für die Schulden aufgewandt werden müssen. Bevor es jedoch keine gemeinsame Fiskalpolitik in Europa gibt, sind deutsche Politiker gegen vergemeinschaftete Schulden.

Die Schuldenkrise zu lösen ist kein schneller und einfacher Prozeß. Vielmehr braucht es Instrumente, um den europäischen Zusammenhalt finanzierbar zu machen. Der Anreiz, Schulden abzubauen und Reformen einzuleiten, darf dabei jedoch nicht verloren gehen.

Kirsten Petersen, CFP®

Schlagwörter: Bonität, Euro-Bonds, Finanzkrise, Schuldenkrise, Staatsanleihen